Können Moore unser Klima retten? Ein Interview mit MoorFutures

Veröffentlicht am: 
August 20, 2021

MoorFutures ist ein Naturschutzprojekt in Schleswig Holstein. Hier werden trockene Moore wieder vernässt. Denn Moore sind die größten und effektivsten Kohlenstoffspeicher auf der Erde: Moore speichern doppelt so viel Kohlenstoff in ihren Torfen wie in den Wäldern weltweit enthalten ist.

Im Interview mit Karen Marggraf lernen wir, dass ein entwässerter Torf nicht länger ein Kohlenstoffspeicher ist, sondern sogar eine Treibhausquelle wird. Die Wiedervernässung von Mooren mit Hilfe von MoorFutures vermindert deren Ausstoß an Treibhausgasen erheblich. Somit hilft dieses Projekt, CO2-Emissionen zu speichern und damit unser Klima zu schützen.

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1. Guten Morgen Karen, vielen lieben Dank, dass wir von COKO euch im Moor besuchen durften. Nun noch ein paar Fragen.

Wer seid ihr, für was steht ihr, was ist euer Ziel, eure Vision und Mission?

Die Stiftung Naturschutz ist die größte Naturschutzorganisation in Schleswig-Holstein. Mit unseren Artenschutzprojekten und unserem Biotopnetzwerk, dem Stiftungsland, bauen wir an einer grünen Infrastruktur für den Erhalt der Biodiversität und die Umsetzung biologischer Klimaschutzziele im Land. Wir öffnen unser Stiftungsland für Besucher*innen und bieten vielfältige Naturerlebnisse an. Die Ausgleichsagentur ist unsere 100% Tochter. Seit 2007 setzen wir mit unserem naturschutzfachlichen Know-how für Bauträger gesetzlich festgelegte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen um und garantieren deren dauerhafte Qualität. Diese Flächen sind wichtige Bausteine im fast 38.000 Hektar großen Biotopnetzwerk der Stiftung. Ohne intakte Lebensräume können unsere heimischen Tiere und Pflanzen nicht überleben, deshalb ist unser Stiftungsland oft der letzte Rückzugsraum vieler bedrohter Arten.
Mit unseren Moorflächen haben wir einen wichtigen Hebel in der Hand, die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen. 

2. Zur Geschichte: Wie kam es zu eurer Idee der MoorFutures? Wie lief der Weg ab? Welche Schwierigkeiten wurden euch in den Weg gelegt, und welche müsst ihr noch immer überwinden?

Moore sind gigantische Kohlenstoffspeicher, die größten, die wir an Land haben. Sie sind sechsmal so effektiv wie unsere Wälder. Wir müssen ihnen nur das Wasser zurückgeben. Ohne trocknen sie aus, der Torf zersetzt sich und dabei wird klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt.
Die Moorlandschaften in Schleswig-Holstein wurden über die Jahrhunderte immer weiter trocken gelegt. Mit Hilfe von Gräben, Rohren und Pumpbauwerken wird das Wasser abgeleitet, um das Land wirtschaftlich zu nutzen. Mit fatalen Folgen, denn der Boden schrumpft und sackt, die Entwässerung wird immer teurer, die Klimaschäden immer größer. Daher heißt die Hauptaufgabe unserer Moorexperten: Wasser fürs Moor!
Intakte Moore speichern für uns jedes Jahr neuen Kohlenstoff und ziehen so CO2 aus der Atmosphäre. Dafür sind die Torfmoose verantwortlich. Sie speichern Regenwasser wie ein Schwamm und wachsen jedes Jahr bis zu 30 Zentimeter. So sorgen sie für ein kontinuierliches Höhenwachstum unserer Moore. Nach unten sterben die Moose ab und werden zu Torf. Etwa einen  Millimeter pro Jahr wächst die Torfschicht intakter Moore weil mehr Biomasse entsteht, als abgebaut wird.  

Bei unserem MoorFutures Projekt handelt es sich um eine 68 ha große Teilfläche des Königsmoores im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Da für dieses Projekt bei der Stiftung Naturschutz keine Gelder zur Verfügung standen, kam die Idee diese Fläche nach dem MoorFutures Standard zu zertifizieren und die Gesellschaft an der Refinanzierung zu beteiligen. Unsere Tochter, die Ausgleichsagentur hat die Wiedervernässung umgesetzt und finanziert. Durch die Refinanzierung über den Verkauf von MoorFutures Zertifikaten können wir nun weitere Flächen wieder vernässen.
Ein großes Problem bei unserem Engagement der Moorrenaturierung ist, dass ein Moor sehr vielen Eigentümern gehört und aus sehr vielen kleinen Parzellen besteht, die ehemals zum Torfstechen genutzt wurden. Es muss uns erstmal gelingen, alle diese vielen Flächen zu erwerben, bevor wir Moore vernässen können.

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3. Wie erwerbt ihr das Land bzw. woher kommen die trockenen Moorflächen?

Die landwirtschaftliche Nutzung trocken gelegten Moore wird immer schwerer, da der Boden sackt und der Aufwand für die Entwässerung steigt. Das ist vielen Eigentümer*innen irgendwann zu aufwendig und sie bieten uns ihre Flächen zum Kauf an. Auch wenn die Flächen nicht sofort wiedervernässt werden, so kann sie sich schon mal erholen, da sie aus der intensiven Nutzung genommen wird, erste Drainagen werden entfernt und die Natur kann sich wieder entwickeln.

4. Wie wird ein Moor wieder vernässt? Kann ich mir das so vorstellen, dass ein großer Gartenschlauch über das Moor gehalten wird?

So einfach ist es leider nicht. Das Moorschutzteam verschließt die Entwässerungsgräben und Drainagen, die oft sehr tief im Boden liegen. Meist werden Wälle oder Dämme aufgeschoben, in selteneren Fällen auch Spuntwände gesetzt. Nur nährstoffarmes Regenwasser lässt Torfmoose wachsen, deshalb muss das Wasser, das von oben kommt am Abfließen gehindert werden. Man kann sich das so vorstellen, wie eine große Badewanne in die es hineinregnet. Wasser aus dem Graben oder der Wasserleitung einzuleiten hilft leider gar nicht. Regelmäßige Pegelstandsmessungen dienen dazu den Wasserstand zu beobachten und optimal zu regulieren.

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5. Muss ein Moor immer wieder nachgenässt werden? 

Das erledigt die Natur mit ihrem Regen. In niederschlagsreichen Jahren können Moore tatsächlich mehr als einen Meter "aufschwimmen". In der Folgezeit wird dieses Wasser dann langsam wieder abgegeben. Dann sinkt das Moor wieder zusammen. So sind Moore hochwirksame Wasserspeicher, die die Gefahr von Überschwemmungen und Flutkatastrophen vermeiden helfen und wie eine Klimaanlage die Umgebung kühlen.

6.Könnte man ein Moor auch künstlich anpflanzen, wo es gebraucht wird, also zum Beispiel in Städten?

Charakteristisch für die Entstehung eines Moores ist, dass in ihm durch den hohen Wasserstand und den Mangel an Sauerstoff die Stoffproduktion der Pflanzen größer ist als ihr Abbau. Es entsteht also mehr Biomasse, als wieder abgebaut wird. Das Pflanzenmaterial sammelt sich an und wird nach und nach zu Torf.

So kann ein Moor allmählich – wenn auch sehr langsam – immer weiter wachsen und immer mächtiger werden. Pro Jahr wächst die Torfschicht eines intakten Hochmoores um rund einen Millimeter, das bedeutet, 10 cm Torfschicht in 100 Jahren, 1m Torf ist über 1000 Jahre alt!

Deshalb macht es Sinn einstiege Moore zu renaturieren, da diese sobald sie wieder nass sind ihre Funktion für die Natur übernehmen. Und natürlich sind Moore auch wichtige Lebensräume für spezialisierte Arten, wie Sonnentau, Hochmoorbläuling, Moorfrosch oder Moorlilie, die können nicht einfach in die Stadt umziehen. Klima- und Artenschutz gehen hier Hand in Hand.

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7. Habt ihr Pläne euch auf internationale Flächen zu erweitern?

Nein, wir sind als Stiftung Satzunggemäß nur in Schleswig-Holstein tätig. Aber wir tauschen uns national und international intensiv mit Experten aus.

8. Wohin möchtet ihr wachsen, was sind eure Ziele und Träume bei MoorFutures? 

Wir sind gerade dabei weitere Flächen nach dem MoorFutures Standard zu renaturieren. Wenn alles klappt, wie geplant können wir in 2022/23 weitere Zertifikate anbieten. Langfristig ist unsere Vision, dass alle Moore keine klimaschädlichen Gase abgeben und wieder zu natürlichen Kohlenstoffspeichern werden.

9. Ihr rechnet mit ca. 20-25 t CO2e pro ha und Jahr. Wie kann überhaupt berechnet werden, wie viel CO2 über ein Moor kompensiert werden kann?

Die MoorFutures-Projekte werden durch einen wissenschaftlichen Beirat mit Fachleuten der Universität Greifswald, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde sowie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel der drei MoorFutures-Länder beraten und begleitet. Wissenschaftler haben ein Modell entwickelt und festgelegt, wie die Berechnung vorgenommen wird. Das ist detailliert nachzulesen im Projektdokument. Viele Faktoren werden dabei berücksichtigt: Wie stark ist das Moor geschädigt; wie lange  wurde die Fläche entwässert genutzt; wie lange ist sie aus der Bewirtschaftung; wie wurde sie wiedervernässt; wird sie weiterhin teilweise genutzt und vieles mehr.

10. Was kann ich tun, um euch zu unterstützen, und was denkt ihr, sind die einfachsten Wege für mich privat meinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren?

Kauf der Umwelt zu Liebe nur „torffreie“ Blumen- und Gartenerde. Noch immer werden in Deutschland, aber mit steigender Tendenz auch in den Baltischen Ländern und Russland Moore zerstört, um Torf abzubauen. Achte daher auf „torffreie“ Erden und lass dich nicht durch Angaben wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ in die Irre führen. Übrigens, auch sogenannte Bioerden können große Mengen Torf enthalten!

Verbessere deinen persönlichen CO2-Fußabdruck. Entscheide dich  für die Bahn statt für das Flugzeug, fahr Fahrrad statt Auto. Natürlich steht die Vermeidung der Entstehung des klimaschädlichen CO2 für uns alle an erster Stelle, aber den unvermeidbaren CO2-Ausstoß kannst du ausgleichen: Regional, dauerhaft und nachvollziehbar: Mit dem Erwerb unserer MoorFutures.
Setz dich für den Schutz der Moore ein und unterstütze die Moorschutzprojekte der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit deiner Spende.

11. Was denkt ihr über COKO und unsere Partnerschaft? 

Wir freuen uns mit COKO einen Unterstützer zu haben, der sich für das Thema Natur- und Klimaschutz einsetzt. Ihr gebt Denkanstöße für nachhaltigen Konsum in der schnelllebigen Fashionbranche. Jetzt kann jeder ganz einfach mitmachen und seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Menschen erfahren so, wie wichtig Moore sind und lernen unser Projekt und unsere Arbeit kennen.

12. Was wünscht ihr euch für die Zukunft im Bereich Naturschutz/Umweltschutz?

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen respektvoll mit unserer Umwelt umgehen und bei ihrem Handeln verantwortungsvoller werden. Nur wenn alle mitmachen, können wir das größte Problem, den Klimawandel, stoppen. Für die Stiftung Naturschutz  und ihre Ausgleichsagentur hoffe ich, dass uns viele ehemalige Moorflächen überlassen werden, die wir wieder „nass“ machen können.

Vielen Dank an Karen Marggraf für ihre Fürsorge und detailierte Erklärungen rund um Moore. Auf viele weitere gemeinsame Jahre mit dem großartigen MoorFutures-Projekt!

Wir wollen Konsumentscheidungen positiv beeinflussen,
um gemeinsam den langfristigen Erhalt eines lebenswerten Planeten zu sichern.

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