Modeindustrie und Nachhaltigkeit – ein Widerspruch in sich?

Veröffentlicht am: 
September 17, 2021

Wir haben bereits alle von dem Problem gehört: Die Modebranche ist eine der schädlichsten CO2-Emittenten für unseren Planeten. Nicht nur Wasser, Wald und Mensch kommen zu schaden. Auch unsere Zukunft wird beeinträchtigt. Und dennoch: Die Modeindustrie boomt. In nur fünfzehn Jahren, von 2000 bis 2015, hat sich die Anzahl der Kleidungskäufe weltweit verdoppelt.

pexels rachel claire 4993086 1

Was also tun?

Ein besseres Bewusstsein bei Menschen schaffen hilft bereits. Doch die Menschheit und deren Konsum nimmt zu. Kann ein einzelner wirklich etwas ausrichten? Ja – doch das Kollektiv macht’s!

Wie also weiter vorgehen?

Neue Lösungen müssen her!

Einige Ansätze gibt es bereits. Auch von großen Modeketten wie H&M. Diese haben eine Sustainability Linie, jedoch sind noch lange nicht alle Materialien und Artikel nachhaltig(er) produziert. Mit ihrer ‚Mode & Recycling‘ Kampagne setzt H&M dort an, wo bereits viele Städte, Gemeinden oder Non-Profit-Organisationen angesetzt haben: beim Altkleidersammeln. Nach Aussage des Modeanbieters werden bei ihnen 60% der gesammelten Artikel weiter genutzt oder getragen, 34% werden recycelt und 6% werden für Energiegewinnung genutzt. Die Artikel für die Mülldeponie lägen bei 0%. Das bedeutet Modezirkularität. Oder als Buzzword: Fashion Circularity. Ein guter Ansatz? -Jein.

Weltweit steigt das Volumen der Bekleidungsproduktion um 2,7% jährlich. Jedoch werden weniger als 1% der Produkte in neue Textilien recycled. Politisches Eingrenzen, vor allem in der EU, kann die mageren 1% bald anheben. Die EU möchte Waren verteuern, die unter besonders klimaschädlichen Bedingungen hergestellt wurden. Ein viel debattierter Schutz. Das könnte zu einem industrieweiten Umdenken in Richtung Circular Business Model führen. Denn wenn 12% der Fasern bei der Herstellung ausgesondert und bis zu 25% der hergestellten Ware nicht verkauft werden, muss ein neues Geschäftsmodell gefunden werden. Die Anzahl der Bestreiter in diesem Segment steigt bereits. Und viele Prognosen setzen darauf, dass Circularity eine der größten Veränderungen in der Modebranche in dem kommenden Jahrzehnt darstellen wird.

Doch Probleme sind vorprogrammiert:

1. Die meisten Klamotten lassen sich nicht einfach recyceln. Sie sind aus einem Mix an Material erstellt worden, welche sich nicht mehr einfach voneinander trennen lassen.

2. Flecken, Kratzer und weitere Gebrauchsspuren sind schwer zu entfernen. Das Aufbereiten bestimmter Materialien kann zeitaufwändig und damit teuer sein.

3. Zusätzlich müssen dabei komplexe logistische und zeitaufwändige Lösungen ökonomisch abgestimmt sein.

4. Circularity ist schwer zu skalieren. Die Modeindustrie ist ein Flickenteppich an Akteuren. Kein großer Player beherrscht eine Monopolstellung. Standardisierte Problemlösungen werden somit noch lange auf sich warten müssen.

Was wird also benötigt?

Um Zero Waste Modeartikel herzustellen werden allen voran Material- und Produktinnovationen benötigt. Zusätzlich muss der Anspruch bestehen, so wenig wie möglich zu verschwenden, sondern jedes noch so kleine Garn zu benutzen. Zugleich muss eine Nachfrage bei Kunden bestehen, welche zu 100% erfüllt wird. Somit entstehen keine Restposten, welche schlussendlich verbrannt werden. Die meisten Verkaufsmodelle sind hierfür nicht eingerichtet und werden dies nicht für tragbar erachten. Auch die Logistik muss hierfür eingebunden werden: Circularity ist eine Mammutsaufgabe und mit vielen logistischen Kopfzerbrechen behaftet: wie bekommt der Kunde schnell und ökologisch seine Ware, wie stellen wir sicher, dass wir nicht mehr getragene Ware wieder bekommen und diese recyceln, wie können nicht verkaufte Artikel angeboten werden und zu ihren neuen Besitzern getragen werden, … ?

Doch auch wenn Circularity eine der größten Herausforderungen wie auch Trend der kommenden Jahre ist, so spielt auch hier das Kollektiv die größte Rolle. Unternehmen, Kunden und alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette sind gemeinsam in der Pflicht, Verantwortung zu schultern und neue Wege für eine bessere Welt zu bestreiten.

90defc7e d359 4c13 b09a e9b8c019c2cd

Quellen:

  • “A new textiles economy: Redesigning fashion’s future”, The Ellen McArthur Foundation, November 28, 2017
  • "Innovationsreport technische Textilien", Sachsen, 2018
  • "The price of fast fashion", Nature Clim Change 8, 2018
Wir wollen Konsumentscheidungen positiv beeinflussen,
um gemeinsam den langfristigen Erhalt eines lebenswerten Planeten zu sichern.

Wir werden unterstützt durch:
Mit viel ♥ aus Hamburg ©COKO-Projects UG (haftungsbeschränkt) 2021
de_DEDeutsch
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram