Onlinehandel boomt - das Ende für unser Klima? Eine überraschende Antwort

Veröffentlicht am: 
Oktober 8, 2021

Fast jeder fünfte Deutsche bestellt einmal die Woche etwas online.

Dabei wird uns oft gesagt, wir sollen den stationären Handel präferieren und unterstützten. Doch, ist dem wirklich so? Kann der Onlinehandel wirklich mit dem stationären Handel bei der Klimaneutralität mithalten? Die Antwort wird überraschen.  

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Jeder, der online bestellt, hat sie bereits gesehen: Anstrengungen von Unternehmen, ihre Pakete klimaneutral zu versenden. Konkret bedeutet dies: bei Amazon kann jeder Kunde auswählen, ob seine Päckchen zu einer Bestellung zusammengefasst werden sollen. Bei einigen Modeläden gibt es eine nächtliche Sperrzeit für Bestellungen. So sollen Impulskäufe verhindert werden um so Rücksendungen zu vermeiden. Einige Online Verkäufer haben sich auf nachhaltige Verpackungen spezialisiert und senden keine Plastikverpackungen mehr aus.

Wie schädlich ist der Onlinehandel für unsere CO2-Bilanz?

Das Umweltbundesamt kann nach Auswertungen verschiedener Studien über mehrere Jahre hinweg beschließen, dass der Onlinehandel einen ökologischen Vorteil gegenüber dem stationären Handel hat. Dies ist vor allem auf den Faktor der Treibhausgasemissionen zu beziehen. Trotzdem ist zu beachten, dass es in vielen Fällen zu einer Einzelbetrachtung kommen muss, und die Umweltwirkungen des jeweiligen Handels nicht verallgemeinert werden kann.

Doch wie kann es sein, dass die Bilanz des stationären Handels schlechter ausfällt?

Dies ergibt sich im Wesentlichen aus zwei Faktoren: den Umwelteinwirkungen des Marktes oder des Landes und den Umwelteinwirkungen der Kund:innen. Konkret bedeutet dies, dass im betrachteten Land die Anreise der Kund:innen einbezogen wird (in Italien etwa haben die Konsument:innen durchschnittlich sieben Kilometer Anfahrt, in Deutschland 15 Kilometer) sowie auch der Energiebedarf der einzelnen Bereiche und Läden (Strom, Wärme, Klimaanlagen, …) mit einbezogen wird. Eine Zustellung nach Hause hat in den meisten Lieferungen im Vergleich zum stationären Einkauf mit dem eigenen PKW einen klaren Vorteil. Eine entscheidende Rolle kommt hier also dem spezifischen Einkaufsverhalten der Kund:innen zu. Selbst eine Fahrt mit dem Bus fällt im Vergleich zur Paketzustellung in der relevanten „letzten Meile“ höher aus. Der Transport der letzten Meile als CO2-Emission-Äquivalent im Onlinehandel wird in den meisten Studien mit 200-400g angegeben. Zugleich fallen im stationären Handel 400g bereits bei einer 5 km Busfahrt an.

Zu beachten sind außerdem Skalierungseffekte von höherer Energieeffizienz von großen Lagern. Diese schlagen als CO2-Äquivalente im stationären Handel besonders zu Buche, sind jedoch vor allem von der Größe, Umsatz, Produktsortiment und der technischen Ausstattung abhängig.

Zusammensetzung der Umweltwirkungen im Onlinehandel

Die wesentlichen ökologischen Hotspots des Onlinehandels liegen im Transport – insbesondere in der letzten Meile – sowie der Versandverpackung. Eine individuelle Betrachtung von Artikeln wie auch Unternehmen und wie, in welchen Verpackungen und wohin (zu einer Packstation oder vor die Haustüre) können den jeweiligen Anteil an einer Stelle reduzieren beziehungsweise erhöhen.

Unumstritten ist, dass Distribution und Handel eine deutlichen Anteil an den CO2-Emissionen vieler Produkte tragen (etwa 1-10% an Emissionen). Vorteile des Onlinehandels sind seine effizienteren Prozesse der Lagerung und des Transports. Die ökologische Wirkung erfolgt besonders durch die Anzahl der Bestandteile der Bestellung, der Versandverpackungen, der Lagerung und Distributionszentren, und wie der (Rück-)Transport stattfindet.

Der stationäre Handel hingegen kann seine ökologische Performance durch seine Größe des Ladengeschäftes und seine Distanz zum Handel sowie die mögliche Bündelung von Einkäufen beeinflussen.  

Um einen tatsächlich effizienteren Onlinehandel zu genießen sollten auf folgende Aspekte geachtet werden:

-   Die Optimierung von Einwegverpackungen

-   Der Einsatz von Mehrwegversandverpackungen

-   Der Verzicht auf zusätzliche Versandverpackungen

-   Die Ökologie des Fuhrparks

-   Die (gebündelte) Zustellung zu alternativen Zustellorten

-   Der Ausbau alternativer Lieferkonzepte

-   Reduzierung von Retouren

-   Verzicht auf Retourenvernichtung

Was bedeutet das also?

In einigen Fällen kann der Onlinehandel tatsächliche einen ökologischen Vorteil gegenüber dem stationären Handel aufweisen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn der Endkunde mit dem eigenen Auto über mehrere Kilometer anreist und seine Einkäufe nicht bündelt, während der Onlinehandel seine Routen- und Transportplanung effizient ausnützt und Unternehmen auf nachhaltige Versandmöglichkeiten achtet. Zusätzlich müssen die Retouren beachtet werden. Endkunden können diesen Bereich bei sich selbst verbessern, in dem Produktbeschreibungen genau durchgelesen werden und Impulskäufe vermieden werden. Unternehmen an dieser Stelle auf Qualität und ausreichend Information sorgen, um Warenrücksendungen möglichst gering zu halten. Dennoch ist eine Einzelfallbetrachtung unterlässlich und eine absolute Verallgemeinerung nicht anwendbar.

Quellen:

  • Die Ökologisierung des Onlinehandels, Umweltbundesamt, 2020
  • Neue Studie: E-Commerce hat eine bessere Klimabilanz als stationärer Handel, Florian Kolf, Handelsblatt, 2021

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